BroichStrom: Lokaler Strom aus urbanem Raum alternativ finanziert

Viele Experten stellen sich die Frage: Wie lassen sich Erneuerbare-Energie-Anlagen auch abseits von staatlichen Fördermechanismen finanzieren? Und viele Bürger in urbanen Räumen möchten sich für den Klimaschutz vor Ort einsetzen, wissen jedoch nicht genau wie. Eine Antwort auf beide Fragen könnte lauten: indem sich engagierte Menschen in ihrem Stadtteil zusammentun und ein regionales Stromprodukt auf die Beine stellen. So geschieht es derzeit im Mülheimer Stadtviertel Broich, wo die Initiative Klima-Quartier Broich zusammen mit dynamis ein gemeinschaftliches Stromprodukt entwickelt.

Die lokale Idee dahinter: 40 Prozent des vor Ort benötigten Stroms mittels Solaranlagen auf Dächern Broicher Unternehmen zu erzeugen. Der restliche Strom soll bestenfalls auch von lokalen Versorgern, zumindest aber von Ökostrom-Anbietern geliefert werden. dynamis beschäftigt sich schon länger mit der Frage: Wie kann man solche Projekte im urbanen Raum realisieren? „Es ist deutlich komplizierter, Strom in der Stadt zu erzeugen als auf dem Land, wo man genug Flächen zur Verfügung hat“, so Projektentwickler Friedrich Horn. Doch nicht nur der Ort, auch die Finanzierung stellt das Projekt vor eine Herausforderung.

Power Purchase Agreements – langfristige Stromlieferverträge

Der Endkundenstrompreis wird mit Hilfe sogenannter Power Purchase Agreements (PPAs), also langfristigen Abnahmeverträgen, gegen Preissteigerungen abgesichert. Ein absolutes Novum in Deutschland, da sich die Stromanbieter bisher auf staatliche Unterstützung in Form der Erneuerbare-Energien-Vergütung (bekannt als EEG-Förderung) verlassen konnten. Horn erklärt: „Dieses Fördersystem besteht seit mehr als 20 Jahren und ist von der Politik langfristig nicht mehr gewollt. Es ist wichtig, sich nach alternativen Finanzierungsmodellen umzusehen. In Nordamerika werden PPAs bereits für Firmen mit großen Rechenzentren genutzt – wir wollen auch kleine Unternehmen und vor allem Haushaltskunden davon überzeugen.“

PPAs funktionieren ähnlich einer Versicherung: Der Kunde schließt einen zehnjährigen Stromtarif zu einem bestimmten Preis ab, welcher dann für den Zeitraum garantiert ist. Da einschlägige Prognosen einen Anstieg der Strompreise voraussagen, können sich preisbewusste Kunden damit für die Zukunft absichern. Gleichzeitig erhält der Anlagenbetreiber eine garantierte Vergütung seines produzierten Stroms – und das ganz ohne EEG-Förderung oder Ausschreibungen. Die Finanzierung seiner Investition ist besser planbar, was sein Risiko reduziert. Und die Stromkunden sind dabei mehr als reine Konsumenten: Mit ihrer Entscheidung unterstützen sie direkt vor Ort Klimaschutz und lokale Wirtschaft. Sie müssen dafür keine eigene Anlage finanzieren oder eine Investition tätigen. Ihre Verpflichtung zur Abnahme des Stroms über zehn Jahre reicht.

Neue Wege gehen bei BroichStrom – dezentrale Erneuerbare-Energie-Anlagen

dynamis und das Klima-Quartier Broich gehen damit neue Wege und schaffen ein Pilotvorhaben, das es so in Deutschland noch nicht gab. Übergeordnetes Ziel ist es, ein neuartiges und übertragbares Instrument zur Finanzierung dezentraler Erneuerbare-Energie-Anlagen außerhalb bestehender Vermarktungs- und Finanzierungsmöglichkeiten zu erproben. Es soll für Bürger-, Regional- und Quartierstrom-Vorhaben eine rentable Alternative zu EEG-Projekten sein. Und so dazu beitragen, die Energiewende langfristig ökonomisch und ökologisch nachhaltig zu gestalten.

Ansprechpartnerin: Katja Reimann