Digitalisierung im Energiesektor – Estland ist Vorreiter in Europa

Estland hat so viele Einwohner wie München und ist das digitale Vorzeigeland der EU. Schon Grundschüler programmieren, sämtliche Behördengänge können die Esten online erledigen und sogar Wahlen finden im Netz statt. Unser Partner Energieavantgarde Anhalt hat mit Mihkel Härm, Manager bei Eesti Energia AS, über die führende Rolle Estlands gesprochen und was Deutschland davon lernen kann. Mehr von Mihkel Härm erfahren Sie bei der Regional Energy System Leadership Expo in Wittenberg am 11. April. Melden Sie sich hier kostenlos an.

 

Warum spielt Estland so eine führende Rolle in der Digitalisierung und wie beeinflusst das die Energiewende?

Es gibt zwei Gründe für Estlands Führungsrolle bei der Digitalisierung: erstens die grundsätzliche Einstellung der Esten, sehr offen gegenüber Neuem zu sein und es als erstes ausprobieren zu wollen. Der zweite Grund, warum wir Esten bei der Digitalisierung vorne dabei sind, ist einfach, dass wir keine alten Technologien hatten, als wir 1990 unabhängig wurden. Wir haben damals quasi bei Null angefangen und da war es sinnvoll, mit dem besten anzufangen, das verfügbar war.

 

Andererseits steckte der Energiesektor noch lange in der Vergangenheit fest. Wir mussten erst einmal lernen, dass Digitalisierung den Kunden das Leben sehr viel leichter macht. Erst dann haben wir die gleichen digitalen Innovationen auch im Energiesektor umgesetzt. Jetzt, da wir es den Kunden leicht gemacht haben, ihre eigene lokale Energie zu produzieren, hilft das wiederum der Energiewende.

 

Was können andere Regionen und Reallabore von Ihrer Arbeit lernen? Was ist Ihr Rat an Akteure, die in der Digitalisierung des Energiemarkts unterwegs sind?

Unser bester Rat ist, die bestehenden Lösungen und Technologien auch wirklich zu nutzen – keine Angst vor dem Neuen! Wir können auch sagen, dass es wichtig ist, das ganze System zu durchdenken, damit alle einzelnen Teile gut zusammenarbeiten. Schließlich ist es wichtig, die Kunden zu ermächtigen, ihnen das Gefühl zu geben, dass ihre Handlungen wirklich Einfluss haben und sie selbst davon profitieren, bei der Digitalisierung mitzumachen.

 

Manchen behaupten ja, dass digitalisierte Energiemärkte Dezentralisierung und soziale Nachhaltigkeit fördern – was halten Sie von so großen Sprüchen?

Es ist wahr! Kunden haben mehr Macht in ihren Händen und das ist gut so. Die drei Ds werden Wirklichkeit – Dezentralisierung, Demokratisierung und Dekarbonisierung.

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