Die Deutschen finden die Energiewende gut, aber ungerecht.

Dies ist – vereinfacht formuliert – eine zentrale Aussage unseres Barometers zur sozialen Nachhaltigkeit.Wir sprachen darüber mit Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie und Energie.

 

Herr Vassiliadis, wie sehen Sie das? Ist die Energiewende ungerecht?

 

Dass die einkommensschwachen Haushalte die Kosten tragen, während die, die mehr verdienen und z.B. in EEG-Anlagen investiert haben, sogar profitieren, ist für mich nicht überraschend. Dass der Wille zur Wende dennoch ungebrochen ist, darf nicht als konstante Selbstverständlichkeit angesehen werden. Nun gilt es aufeinander zuzugehen und die richtigen Instrumente zu bestimmen, damit die Wende gelingt und auch Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit gesichert bleiben.

 

Woran krankt das System in Ihren Augen?

 

Erstens an der Förderung von Installation statt Innovation, an mangelnder Kosteneffizienz und ungerechter Verteilung der Kosten.
Zweitens: Die soziale Dimension der Energiewende war und ist gegenüber der ökologischen und zum Teil auch gegenüber der wirtschaftlichen Dimension noch immer unterbelichtet.

 

Wie könnte die Politik hier gegensteuern?

 

Ich will eine Energiewende, die in der Breite der Gesellschaft akzeptiert wird, weil sie sozial gerecht, wirtschaftlich vernünftig und ökologisch verantwortungsvoll ist. Die Energiewende ist so zu gestalten, dass sie mit Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit für die Unternehmen einhergeht, die Schaffung und Sicherung guter Arbeit ermöglicht und sozial ausgewogen finanziert wird. Natürlich stehen für uns als Gewerkschaft im Mittelpunkt:
 

  • soziale Gerechtigkeit,
  • Arbeitsplatzsicherheit,
  • berufliche Entwicklungschancen,
  • die Digitalisierung,
  • die Gestaltung des demografischen Wandels..
  • Die Beteiligung der Beschäftigten an Prozessen und Entwicklung ist ebenfalls von großer Bedeutung.
  • Und auch in der Tarifgebundenheit drückt sich nachhaltiger Fortschritt aus.

Auf diese Fragen müssen wir Antworten finden, sonst läuft die Energiewende an vielen Menschen vorbei.

 

Ganz generell: Wie könnte eine gerechte Energiewende aussehen?

 

Mehr Kosteneffizienz durch eine Synchronisierung des Ausbaus von erneuerbaren Energien, Netzen und Speichern sowie durch eine Umstellung der verbleibenden Subventionierung Erneuerbarer von einer Umlage, die arm und reich gleich trifft, auf eine Haushaltsfinanzierung ohne Ausnahmen. Starke Schultern müssten dann endlich mehr tragen als die Schwachen. Und die Unternehmen würden da belastet, wo es betriebswirtschaftlich Sinn macht: Bei dem zu versteuernden Gewinn, nachdem sie ihn gemacht haben – statt mitten in der Wertschöpfung wie heute.

 

 

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