Publikumsumfrage zum Barometer 2018

 

Am 21. Februar wurde das Barometer zur sozialen Nachhaltigkeit der Energiewende mit den Ergebnissen aus dem Jahr 2018 in Berlin präsentiert. Mit so vielen Vordenkern & Lenkern in einem Raum versammelt, lag es natürlich nahe, die Fragen aus dem Barometer auch ins Publikum zu tragen. Was dabei herauskam, lesen Sie hier:

 

Was verstehen Sie unter einer „gerechten“ Energiewende?

 

 

  • Lothar Stock (Lothar Stock Consult)

    Unter einer gerechten Energiewende verstehe ich eine, die die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Ziele in gleicher Weise abbildet. Ob das in jedem Fall gelingen kann, hängt natürlich sehr davon ab, wie der regulatorische Rahmen gestaltet wird und wie es gelingt, die Dynamik in der Innovation auf der wirtschaftlichen Seite zu erreichen. Dass das Ganze dann auch noch tragbar sein muss für den Großteil der Bevölkerung, ist klar.

  • Nora Freier (Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung Wuppertal)

    Sie muss zum einen ganzheitlich sein und Wasser, Ernährung, Landwirtschaft genauso wie Energie gleichermaßen mit berücksichtigen. Und dass sie vor allem bürgernah ist. Es gibt nicht den Bürger oder die Bürgerin, sondern es gibt eine Vielzahl von Stimmen, Betroffen-heiten, Erfahrungshorizonten und Alltagskompetenzen. Und dieses bunte Bild mit einzufangen, das ist sozial gerecht.
  • Silke Schilling (freie Journalistin)

    Dass sich die Wirtschaft nicht herauszieht. Ich finde es sehr ungerecht, dass die Last meistens von Einzelnutzern zu tragen ist und der Wirtschaft immer Nachlässe gewährt werden.

 

Barometer 2018: Nora Freier vom Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (Wuppertal) wird zur sozialen Nachhaltigkeit der Energiewende befragt.

Was wäre Ihre Reaktion, wenn direkt vor Ihrem Grundstück/Ihrem Wohnhaus ein Windrad aufgestellt werden würde?

 

  • Nora Freier (Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung Wuppertal)

    Wenn es irgendjemand wäre und direkt vor meinen Fenster tun würde, ohne dass ich mitentscheiden kann, wäre ich nicht amüsiert. Wenn es aber ausgehandelt wird, Prioritäten festgesetzt werden und dieser Zielkonflikt dann auch entsprechend kompensiert wird, warum nicht?

  • Katharina Lodz

    Windkraft kann man ein bisschen mit Häuserbau vergleichen. Jeder will Sozialwohnungen, aber keiner hat Lust, sie direkt vor dem eigenen Haus zu haben. Mir persönlich wäre es egal, wenn in Friedrichshain ein Windrad steht, anstatt eines weiteren Luxusbaus.

  • Silke Schilling (freie Journalistin)

    Ich wäre wahrscheinlich genauso perplex, wie wenn sie ohne mich zu fragen ein Atomkraftwerk oder ein Kohlekraftwerk dahinstellen würden. Ob ich dagegen protestieren würde, kommt darauf an.

 

Impression aus dem Saal: Rund 100 Menschen lauschten am 21.2. Daniela Settons Vortrag über die Ergebnisse des sozialen Nachhaltigkeitsbarometers 2018

Welchen Rat würden Sie Politikerinnen und Politikern geben, wenn es darum geht, die soziale Nachhaltigkeit der Energiewende zu erhöhen?

 

  • Nora Freier (Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung Wuppertal)

    Offen und transparent sein. Gemeinsam in den Suchprozess gehen. Es gibt nicht die eine Lösung, sondern es muss gemeinsam ausgehandelt werden. Diese Offenheit würde ich der Politik empfehlen.

  • Natalie Hoost (Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung Wuppertal)

    Mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern, betroffen und nicht betroffen, Kontakt aufbauen, entscheiden, gestalten, partizipieren lassen.

  • Silke Schilling (freie Journalistin)

    Auf jeden Fall mehr Bürgerbeteiligung. Ich denke, dass die Lösung nicht unbedingt in der Windenergie liegt. Sie kann einen Anteil tragen, aber das größte Potential ist meiner Ansicht nach die Solarenergie.

 

Barometer 2018: Auch über den offiziellen Teil hinaus gab es natürlich jede Menge Gesprächsbedarf

Glauben Sie, dass es in Deutschland zu ähnlichen Protesten wie in Frankreich kommen könnte, wenn die deutsche Bundesregierung morgen einen ambitionierten CO2-Preis einführen würde?

 

  • Lothar Stock (Lothar Stock Consult)

    Ich glaube, dass das durchaus denkbar ist, wenn die Energiewende und die damit verbundenen Chancen, nicht auch vermittelt werden. Solange man nicht versucht, die Menschen mitzunehmen und ihnen das, was man da tut, auch erklärt, solange ist natürlich das Risiko relativ groß, dass jeder nur für ihn persönlich entstehende negative Wirkungen sieht und dann in den Vordergrund seines Denkens stellt.

  • Katharina Lodz

    Ich kann mir vorstellen, dass in Deutschland die gleiche Maßnahme vollzogen wird, wie in Frankreich. So dass eine hohe Besteuerung gerade die Ärmeren stark betrifft. Aber solche Proteste wird es nicht geben, denke ich.

  • Silke Schilling (freie Journalistin)

    Ich hätte es auch in Frankreich nicht für möglich gehalten. Ich denke, es kommt immer darauf an, wie es vermittelt wird. Wenn einfach irgendwas bestimmt wird, zum Beispiel ein steigender Benzinpreis, könnte ich mir schon vorstellen, dass es Proteste gibt. Aber ich weiß nicht, ob es solche Ausmaße annehmen wird.

 

Barometer 2018: Am Ende war die Veranstaltung von viel Austausch und beidseitigem Input zwischen Speakern und Gästen geprägt.

 

Alle Fotos: Piero Chiussi
Bildrechte: IASS

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