Supersommer oder Katastrophenklima? Wie Sprache den Diskurs über die Energiewende prägt – Teil 1

Der Blick auf ein und dasselbe Ereignis kann sehr verschieden sein: Ein Winzer wird das Wetter von 2018 in höchsten Tönen loben, beschert es ihm doch vermutlich einen „Jahrhundertwein“; wer dagegen vom Wintersport lebt, wird sich um seinen Verdienst sorgen, schließlich gelingt nicht mal auf der Zugspitze der Saisonstart planmäßig. Über solche partikularen Interessen hinaus weist aber die grundsätzliche Frage, wie immer neue Temperaturrekorde in unseren Breiten diskursiv bewertet werden – insbesondere in Zeiten, in denen Begriffe wie „fake news“ als Argument eingesetzt werden.

Einer, der sich wissenschaftlich fundiert damit auseinandergesetzt hat, ist der Autor und FAZ-Redakteur Jan Grossarth. Insbesondere in seinem jüngsten Buch („Die Vergiftung der Erde“) analysiert er Metaphern und Symbole der agrar- und energiepolitischen Diskurse, vom Beginn der Industrialisierung bis zur Gegenwart. Im 1. Teil des Interviews mit Stephan Muschick, dynamis-Initiator und Geschäftsführer der innogy Stiftung, beleuchtet der diplomierte Volkswirt zunächst die unmittelbare Wirkung von Extremereignissen: Die Dürre 2018 wird den Menschen als Katastrophenereignis in Erinnerung bleiben, sagt Grossarth, denn es gebe einprägsame und medial verbreitete Bilder, etwa von Missernten oder Waldbränden.

 

Jan Grossarth: „Sprachbilder müssen tiefgreifend in der realen Lebenswelt gründen“

 

Auf der anderen Seite sieht er jedoch immer wieder Versuche der Relativierung  – dann wird die Hitze als temporäres „Wetterphänomen“ bezeichnet oder auf den „Jahrtausend-Sommer“ von 1540 verwiesen. Erleichternd für solche Stimmen sei, dass der Klimawandel nicht im Kühlschrank“ angekommen. Denn die Ernährungslage ist hierzulande (noch) gesichert.

Umso wichtiger ist für Grossarth, dass in den Debatten die richtigen Bilder gefunden werden, um die Energiewende attraktiv(er) zu machen. Wie die aussehen? Auch darum ging es Gespräch mit Muschick. Kurz gesagt: Jan Grossarth liefert keine allgemeingültige Antwort, aber eine wichtige Prämisse: „Solche Bilder müssen tiefgreifend in der realen Lebenswelt gründen.“ Was das bedeutet, lesen Sie hier im Blog der innogy Stiftung.

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