Wer über die Coronakrise spricht, darf zur Klimakrise nicht schweigen

Beide Krisen verdeutlichen: Wir müssen uns sehr grundsätzlich fragen, wie wir gesellschaftlich und wirtschaftlich weitermachen wollen.

 

Fast zeitgleich mit dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Europa beschäftigten wir uns bei dynamis zum ersten Mal mit den neuen Ergebnissen des Barometers zur sozialen Nachhaltigkeit der Energiewende. Und uns wurde sehr schnell klar: wer über die Coronakrise spricht, darf zur Klimakrise nicht schweigen. Beide Krisen, die eine ganz unmittelbar und kurzfristig, die andere etwas langfristiger, aber deswegen nicht weniger dringlich, verdeutlichen uns: Wir müssen uns sehr grundsätzlich fragen, wie wir gesellschaftlich und wirtschaftlich weitermachen wollen. Und wir müssen uns eingestehen, dass grundsätzliche Weichenstellungen unerlässlich sind. Sicher, mit der Energiewende, beginnend spätestens vor 20 Jahren mit der Verabschiedung des ersten Erneuerbare-Energien-Gesetzes und verstärkt dann nochmal 2011 mit dem vorzeitigen Atomausstieg nach Fukushima, schließlich mit dem gesellschaftlichen Konsens zum Kohleausstieg sind wichtige Entscheidungen getroffen worden. Doch, das macht unser Barometer deutlich, von einer Energiewende als Gemeinschaftswerk sind wir weiter denn je entfernt. Dies ist ein sehr beträchtlicher Befund: Denn so wie wir die kurzfristige Herausforderung der Corona-Pandemie nur im gesellschaftlichen Zusammenwirken bewältigen können, gilt gleiches auch für Klimaschutz und Energiewende.

 

Energiewende-Erwartungen wurden enttäuscht

 

Und diesbezüglich zeigt das Barometer zwar große Erwartungen der Menschen in Deutschland, aber es wird auch deutlich, dass die Erwartungen auf ziemlich drastische Weise enttäuscht werden. Dies wird maßgeblich der Politik angelastet, der insgesamt ein dramatisch schlechtes Zeugnis ausgestellt wird. Allen, denen an einem Erfolg der Energiewende gelegen ist, sollten sich fragen: Warum ist das so? Und was können wir gegen das Scheitern der Energiewende tun – gerade jetzt, da uns das Corona-Virus klar macht, dass ein schlichtes „Weiter so“ keine zufriedenstellende Antwort ist?

 

Seit 2017 führen wir nun bereits zum dritten Mal diese repräsentative Panelbefragung durch. Unserer Befund lässt sich nunmehr sehr deutlich formulieren: Die Menschen erkennen im Handeln der Politik nicht nur keinen roten Faden (mehr), sondern die Politik agiert in dem, was sie beschließt, an den Präferenzen der Menschen vorbei. Dafür liefert das Barometer zahlreiche Belege – es lohnt sich also, einen genauen Blick auf die einzelnen Items zu werfen.

 

Das Vertrauen in die Politik ist gefährdet

 

Dass das so ist, ist gefährlich, denn ein solches, nennen wir es: unverlässliches Agieren unterminiert das Vertrauen der Menschen in das Handeln der Politik auf eine ganz grundsätzliche Art und Weise – und gefährdet damit die Akzeptanz unseres demokratischen Gemeinwesens im Ganzen. Die Corona-Krise mag hier angesichts beherzter Entscheidungen ein Stück Vertrauen wiederhergestellt haben. Doch umso mehr sollte die Politik ihren Gestaltungsspielraum nun nutzen, zur Bewältigung auch der Klimakrise das Richtige zu tun und am Ball zu bleiben – basierend auf den Präferenzen der Menschen. Nur so lässt sich das „Gemeinschaftswerk“ weiter gestalten, und alle Mitwirkenden – Einzelpersonen, Unternehmen und alle Organisationen der Zivilgesellschaft – können ihre gestalterischen Energien einbringen. Zum eigenen Vorteil und zum Vorteil der Gesellschaft.

 

Ein Beitrag von René Mono, 100 Prozent erneuerbar stiftung

 

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